Sonntag, 20. März 2016

Zitate

Juli Zeh - Spieltrieb

"Kein Philosoph würde ein dickes Buch schreiben, wenn er im Vornherein wüsste, auf welche Weise er später zitiert werden wird. Als man dem Menschen verbot, in die Zukunft zu blicken, hatte man nur sein Bestes im Sinn. Da ich durch die Gegenwart nach vorne sehen kann wie durch ein feines Moskitonetz, werde ich mein Leben lang nichts von Bedeutung tun." S. 22

Über Der Mann ohne Eigenschaften
"Wenn sie das verstehen konnten, verstanden sie alles. Wenn sie das lasen, hatten sie alles gelesen. Wenn sie darüber sprachen, konnten sie über alles sprechen." S. 39

"Sie war stolz auf ihren schwarzen Gürtel der Indifferenz" S. 443

Juli Zeh - Spieltrieb

"Am schlimmsten aber ging es den Büchern. Stoßweise hatte man sie aus dem Regal genommen und hingeworfen, jedes einzelne war links und rechts am Umschlag gefasst und ausgeschüttelt worden, und nun lagen sie alle auf dem Gesicht, die Seiten unter dem Gewicht des Leibes zerknickt, ein Haufen hilfloser Wesen it gebrochenem Genick." S. 253

Verlag: btb
Seiten: 565


Warum dieses Buch: In einer Zeit, die schon gar nicht mehr wahr zu sein scheint, hab ich mal ein Seminar über "Der Mann ohne Eigenschaften" besucht. Im Rahmen dessen war auch von Spieltrieb die Rede und ich glaube mich erinnern zu können, dass der Lehrveranstaltungsleiter, den ich sehr geschätzt habe, es empfohlen hatte... Ich habe es mir dann ziemlich bald gekauft und - wie es sich als gestresste Studentin gehört - erst mal für einige Jahre im Regal vergessen. Hüstel.

Das sagt der Klappentext: Die atemberaubende Geschichte zweier Jugendlicher, die ein ungeheuerliches Spiel antreibt: Es geht um Sex, Verführung und Macht, um Hass und Liebe - bis aus dem Spiel schließlich bitterer Ernst wird...

Das sage ich: Nicht umsonst scheint die Autorin in Spieltrieb mehrfach Den Mann ohne Eigenschaften zu erwähnen. Es wirkt, als hätte sie versucht (!) ein ähnlich bedeutsames Werk zu schreiben und sich irgendwie an Musil anzulehnen... Ein eher ehrgeiziges Projekt

Donnerstag, 10. März 2016

Jonas Winner - Die Zelle

Verlag: Knaur
Seiten: 336

Das sagt der Klappentext: Warte, warte nur ein Weilchen...
Sammy ist elf und gerade mit seinen Eltern nach Berlin gezogen. Im Luftschutzbunker der alten Jugendstilvilla in Grunewald macht er eine verstörende Entdeckung. Ein vollkommen verängstigtes Mädchen, nicht viel älter als er, ist dort unten in einer Zelle eingesperrt, die man mit Gummifolie ausgekleidet hat. Nur durch einen winzigen Schlitz hindurch kann er sie sehen.
Am nächsten Tag ist die Zelle leer, das Mädchen verschwunden. Und für Sammy kann es dafür eigentlich nur einen Grund geben: seinen Vater.

Das sage ich: Das Buch kommt relativ schnell zur Sache. Schon in den ersten Kapiteln macht der elfjährige Protagonist Sammy seine schaurige Entdeckung...
Ja. Und schon ab diesem Zeitpunkt lässt einen die Zelle nicht mehr los.

Dienstag, 8. März 2016

H.G. Wells - The Time Machine

"I'm damned if it isn't all going. This room and you and the atmosphere of every day is too much for my memory. Did I ever make a Time Machine or the model of a Time Machine? Or is it all only a dream? They say life is a dream, a precious poor dream at times-but I can't stand another that won't fit. It's madness. And where did the dream come from? ... I must look at that machine. If there is one!" S.103

Verlag: Trans Atlantic Press
Seiten: 106

Warum dieses Buch: Irgendwann hatte ich drei Stunden totzuschlagen und (natürlich!) mein aktuelles Buch zuhause vergessen. Darum bin ich, wie man das halt so macht, in die nächste Buchhandlung gehopst und hab mir um drei Euro das Mängelexemplar gekauft, das mich am meisten angesprochen hat.

Das sagt der Klappentext: "You cannot move at all in Time, you cannot get away from the present moment." "My dear sir, that is just where you are wrong."

Man can move easily enough in the three dimensions of space - why not the fourth: Time? An intriguing after-dinner conversation takes an unexpected turn when the host produces a small machine, which promptly disappears into thin air. It has been sent into the future, he says. Or maybe the past. As his sceptical guests try to fathom what they have seen, the host unveils a full-size machine,, caring completion. At a similar gathering one week later the host appears late, ghastly pale and badly dishevelled. He has seen the future, witnessed the evolutionary path Man has taken. It is a world populated by the Eloi - exquisite, frail, gentle creatures living in harmonious communes. They suggest to him a theory: that Nature has been tamed, violence eradicated - even intelligence is redundant in this secure, comfortable future-world. It is a theory that soon needs revising. "Later", he tells his guests, "I was to appreciate how far I fell short of the reality." This dark vision of human destiny established H.G. Wells as the founding father of science fiction, long before that term became part of the literary lexicon.

Das sage ich: Ich wusste vorher relativ wenig über dieses Buch, obwohl es doch zu den Klassikern gehört. Und zu diesen gehört es zurecht!

Dienstag, 1. März 2016

Jürgen Todenhöfer - Inside IS: 10 Tage im 'Islamischen Staat'

"Es sind meine Lieblingsschuhe, mit speziellen Wandereinlagen. Ohne die hätte ich 2011 in Libyen nie den siebenstündigen Nachtmarsch durch die Wüste geschafft, der uns vor den Truppen Gaddafis rettete. Zum Glück hatte ich ein zweites Paar Schuhe dabei." S. 259

Verlag: C. Bertelsmann
Seiten: 282

Warum dieses Buch: Kurz und bündig diesmal: Es ist mir persönlich empfohlen worden :) (auch sehr praktisch für die Lovelybooks-Challenge, für die ich ein Buch lesen soll, das mir persönlich empfohlen wurde)

Das sagt der Klappentext: Zehn Tage lang reiste Jürgen Todenhöfer als erster westlicher Publizist in Begleitung schwer bewaffneter Jihadisten durch den »Islamischen Staat«. Eine abenteuerliche Unternehmung mit ungewissem Ausgang. Doch nur so ist es möglich, das Leben der gefährlichsten Terroristen der Welt hautnah nachzuvollziehen, ihren Alltag, ihre Motive. Bislang ist es niemandem gelungen, den IS so genau zu recherchieren. Todenhöfer: »Man muss dort gewesen sein, um das IS_Phänomen zu verstehen. Man muss seine Feinde kennen, wenn man sie besiegen will.«

Eindringlich wird vor den radikalen und unmenschlichen Zielen des IS gewarnt, für die es keine Rechtfertigung gibt. Vor allem keine islamische. Der IS sei ein Kind des völkerrechtswidrigen Krieges gegen den Irak. Todenhöfers dramatischer Report aus dem »Reich des Bösen« ist eine eindringliche Mahnung um einen politischen Ausweg aus der Gewaltspirale im Mittleren Osten zu finden. Und ein Plädoyer für eine klügere Antiterrorpolitik.

Das sage ich: Ich lese ja eher selten Bücher aus diesem Genre. Generell kann ich mich bei Non-Fiction oft schlecht konzentrieren. Bei Todenhöfer war das aber anders!